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Wie
geht es Philip?
Mittlerweile
haben viele Freunde
und Verwandte die Gelegenheit
zu
einem Besuch bei Philip genutzt. Und für alle die, die Philip
noch
nicht besuchen möchten oder können, werde ich
versuchen, auf
dieser Seite die meisten Fragen zu beantworten, die euch bewegen. Auch
wenn ich nicht jeden Tag berichte, werdet ihr nichts wichtiges
verpassen. Versprochen! Deswegen hier die Meldung (die aktuellsten
zuerst):
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Philips
Türschild in der Klinik in Hattingen-Holthausen
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Montag,
der 1. März 2010 Am
Samstag haben wir Philip aus der Lebensarche in Unna-Königsborn
"entführt" und sind mit ihm nach Lengerich gefahren. Das Wetter war
dort auch nicht besser, aber in einem privaten Umfeld kann man es sich
richtig gemütlich machen. Da meine (Thorsten) Eltern nicht da waren,
hatten wir sturmfreie Bude. Das war anfangs ein wenig komisch, in einer
"fremden" Wohnung unter sich zu sein, aber wir haben uns da schnell
zurecht gefunden. Außerdem hatte Ingrid vor der morgendlichen Abreise
noch einen Topf Milchreis gekocht und über den haben sich dann mittags
Philip und Mama hergemacht. Ich selber mag Milchreis nicht so gerne,
aber wenn Philip zu Besuch kommt, scheinen meine Wünsche nicht an
erster Stelle zu stehen. Und das ist auch sehr gut so! So einen Teller
Milchreis mit Zimt und Zucker hatte Philip dann auch schnell verputzt
und danach gab es eine Nickerchen. Nachmittags sind wir mit dem großen
Bulli nach Osnabrück zum Shoppen gefahren. Nein, meine Damen, Männer
fahren nicht einfach so zum Shoppen! Wenn wir einkaufen gehen, dann
benötigen wir auch etwas. Bei Philip war es so, dass er neue Schuhe
brauchte. Das letzt Paar hatten wir in Größe 46 gekauft, weil er
aufgrund seines Spitzfusses (das heisst wirklich so) Orthesen tragen
musste und mit denen brauchte er so große Schuhe. Jetzt ist der
Spitzfuss dank vielen Trainings und vieler fleißiger Helfer auskuriert,
die Orthesen müssen nicht mehr getragen werden und Philip brauchte neue
Schuhe. Außerdem steht der Frühling vor der Tür (ok, er hat noch nicht
geklingelt, aber er steht quasi schon da) und da mussten einfach mal
neue Schuhe her. Mit den Augen konnte Philip uns und der Verkäuferin
zeigen, welches Paar ihm am besten gefiel. Und ich muss sagen, dass der
Junge einen starken Willen und einen guten Geschmack hat. Aber davon
könnt ihr euch dann ja mal überzeugen, wenn ihr ihn besucht. SCheinbar
hat Philip der Ausflug in die City von Osnabrück sehr gut getan.
Normalerweise geht er abends gegen halb sieben zu Bett. Am Samstag
waren wir erst um sieben Uhr wieder in Lengerich und Philip war einfach
"kaputt" zu kriegen. Um halb neun lag er dann im Bett, ohne dass es
vorher irgendwelche Anzeichen der Müdigkeit, Verpannung oder
Erschöpfung gab. Und ihr drüft uns glauben, dass man es dem Jungen
ansehen kann, wenn er es im Rolli nicht mehr aushält. Aber als er dann
im Bett lag, wurden die Augenlider ganz schnell schwer und er war
ratz-fatz eingeschlafen.
Das
Foto ist am Sonntag entstanden, nachdem Philip gerade einen gelben
Lolli vernascht hatte. Mit Lollis soll Philip nämlich trainieren, damit
er zukünftig alleine durch einen Strohhalm trinken kann. Das Schlucken
klappt zwar wunderbar, aber das Ansaugen der Flüßigkeit noch nicht.
Seine Logopädin Julia hat uns den Tipp gegeben, mit Lollis zu
trainieren und wir machen doch nichts lieber als das. Ingrid hatte auch
rein zufällig noch einen Tüte Lutscher im Hause, also haben wir am
Sonntag trainiert. Ich denke, Philip hat schon schlimmere Dinge
trainieren müssen in den letzten Monaten. Es klappt zwar noch nicht
immer den Mund ganz geschlossen zu halten (deswegen die Tücher um den
Hals), aber auch das klappt immer besser. Seit ein paar Wochen
schafft Philip es auch, zu lächeln. Auf dem Foto deutet es sich ein
wenig an. Wenn wir mit ihm rumalbern und Spass machen, dann wandern
seine Mundwinkel nach oben und es wird ganz offensichtlich, dass es ihm
Spass macht. Dieses Lächeln zeigt sich erst seit ein paar Wochen, aber
wir wünschen uns, dass es sich dafür für den Rest seines Lebens ganz
oft zeigen wird. Und es macht soooo einen Spass, den Jungen zum Lachen
zu bringen! Ich denke schon, dass es ihm, zumindest manchmal, richtig
gut geht. Richtig gut ging es auch Sonntag nachmittags, als Ingrid
und Ernst-Wilhelm wieder von ihrem Wochenendausflug zurück waren. In
Lengerich gibt es sonntags um 16:00 Kaffee und Kuchen, so auch gestern.
Da Ingrid selber nichts backen konnte, wurden ein paar Stücke Torte
geholt. Für Philip gab es Schoko-Sahne-Torte und die hat er auch mit
offensichtlichem Appetit verputzt. Danach mussten wir uns leider wieder
auf den Heimweg machen, da Philip wieder in Unna erwartet wurde. Nach
einer schaukeligen Fahrt über die A1 (ein 2,50 Meter hoher Bulli ist
doch sehr seitenwindempfindlich) waren wir gegen sieben Uhr in der
Lebensarche und....Philip war kein Stück müde! Das Abendbrot hat er
sich auch nicht entgehen lassen, bevor es dann doch zu Bett ging. Und
heute hieß es wieder "Ab in die Schule!". Halt durch Philip, die
Osterferien kommen bald! Aber Schule von 10 - 12 Uhr scheint für ihn
eine sehr passende Zeit zu sein. Weiter so!Freitag,
der 26. Februar 2010Wir
haben Wochenende! Und weil das Wetter so doof werden soll, schnappen
wir uns morgen früh den Philip und schauen mal, was wir mit ihm
anstellen. Faulenzen? Vielleicht.....oder auch mal ein wenig die Gegend
erkunden. Wenn es nach Mama geht, geht´s jeden Tag vor die Tür. Die
teuren Winterklamotten müssen sich scheinbar noch rentieren, zumal der
Fusssack und das Wintercape auch wasserdicht sind. Aber Philip soll ja
Sinneseindrücke sammeln und Wind und Wetter gehören auch dazu.
Wenigstens ist es nicht mehr so kalt und wir freuen uns schon alle auf
den Frühling. Heute haben wir auch eine Ferienwohnung für den
Sommerurlaub gebucht. Es gibt richtig schöne behindertengerechte
Ferienwohnungen, die ebenerdig sind, breite Türen und ein großes Bad
haben und auch mit einem Pflegebett ausgestattet sind. "Unsere"
Ferienwohnung liegt an der Nordsee. Jetzt brauchen wir nur noch gutes
Wetter dort. Hatten wir den Sonnentanz nicht schonmal gemeinsam geübt?
Also los, alleman tanzen, damit dann auch die Sonne scheint. Es reicht
aber auch, wenn ihr kurz vorher und dann immer mal wieder zwischendurch
tanzt. Die Ferienwohnung liegt nah am Deich, damit wir auch ans Meer
kommen. Ob wir mit Philip an den Strand kommen, ist noch fraglich, da
sich sein Rollstuhl sicherlich nicht gut auf Sand bewegen lässt. Es
gibt zwar Rollstühle für den Strand, aber Philip braucht einen
speziellen Rollstuhl mit passender Kopfstütze usw. und ich glaube
nicht, dass es genau einen passenden Strandrolli für ihr gibt. Aber wir
schauen mal. Ansonsten werden wir es uns zwischen den Schafen auf dem
Deich gemütlich machen und Philip zum Deichgraf erklären. Aber bis
dahin ist noch Zeit und bekanntlich ist die Vorfreude mit die schönste
Freude. Und wenn man bei dem Sch...wetter durch die verregneten Fenster
schaut, dann darf es gerne etwas Vorfreude auf einen Urlaub sein.Dienstag,
der 16. Februar 2010Lange
lange lange ist es her, seit ich hier zum letzten mal etwas geschrieben
hatte. Das mag daran liegen, dass wir einiges zu tun hatten und dass es
auch keine besonderen Vorkommnisse bei Philip gab. Wir haben unseren
Alltag, er seinen. Neu hinzugekommen sind bei ihm allerdings ein
paar Geräte, die er noch aus der Reha kennt. Das eine ist ein
Stehgerät, dass es ihm ermöglicht aufrecht zu stehen. Man kann es sich
wie eine Liege vorstellen, auf die er gelegt und die dann hochgeklappt
wird. Damit soll das Gefühl des Stehens wieder hergestellt und der
Kreislauf wieder in Schwung gebracht werden. Wie fühlen wir uns denn,
wenn wir nur sitzen oder liegen? Aber ob dieses Stehdings für ihn
angenehm ist, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht ist es sogar eher
anstrengend. Aber anstrengend ist so vieles, wenn die Leichtigkeit
durch so einen Unfall abhanden gekommen ist. Umso schöner sind die
Erholungsphasen. Am Wochenende hatte Papa Philip zu sich nach Hause
geholt und dann wurde, auch zusammen mit Pascal, die Männer-WG geprobt.
Die drei großen P: Philip, Pascal und Papa! Karneval gab es in der
Lebenarche selbstverständlich auch. Aber irgendwie schien das nicht das
richtige für Philip gewesen zu sein. Zu laut oder zu bunt? Wir wissen
es nicht, aber wir müssen nunmal davon ausgehen, dass er seine Umwelt
anders wahrnimmt als wir unsere. Vor dem Unfall war er zumindest für
jede Form der "tollen Tage" zu haben. Kennt ihr das Lied von Udo
Lindenberg und Jan Delay mit der ersten Textzeile "Eigentlich bin ich
ganz anders, ich komm nur viel zu selten dazu"? Bei dem Lied müssen wir
irgendwie immer an Philip denken. Die zweite Zeile lautet "Du machst
hier bald mit einem Bekanntschaft, den ich genauso wenig kenne wie du".
Auch das passt sehr gut, wenn nicht noch besser. Wir müssen Philip erst
noch kennenlernen, so wie er momentan ist. Wir sehen ihn jetzt seit
acht Monaten so und vielleicht können wir sagen, dass wir ihn doch ein
wenig kennen. Es ist nicht leicht, jemanden kennenzulernen, der anders
ist als wir und der auch anders ist als die Person, die er vorher war.
Ich denke, das gilt für alle, die Philip nach seinem Unfall wiedersehen
und die ihn vorher schon kannrten. Man muss ihn wieder kennenlernen und
ihn so annehmen. Kennt Philip sich eigentlich selber, so wie er
jetzt ist? Begreift er, was war und was ist? Oder lebt er in seinen
Erinnerungen, die ihm vielleicht geblieben sind? Er kann es uns leider
nicht mitteilen. Sicherlicht ist er derjenige, der es am schwersten
hat, die Situation so anzunehmen. Es fragt ihn ja niemand, sondern es
ist einfach so, wie es ist. Im Aufzug in der Lebensarche in
Unna-Königsborn ist ein großer Spiegel und man kann sich dort, ob
stehend oder im Rolli sitzend, im Ganzen betachten. Man kommt auch
nicht drumherum, weil der Spiegel so groß ist. Manchmal haben wir
den Eindruck, dass Philip in den Spiegel schaut und sich dort sieht.
Erkennt er sich? Wir haben noch keine eindeutige Rektion ausmachen
können. Petra, eine Betreuerin aus der Wohngruppe, hat uns allerdings
berichtet, dass Philip schon reagiert hätte, als er sich dort gesehen
hat. Wir wissen es nicht, aber eigentlich kann es keine freudige
Reaktion gewesen sein. "Eigentlich bin ich ganz anders, ich komm nur viel zu selten dazu." Ob er jemals wieder dazu kommt? Wir wünschen es ihm!Sonntag,
der 17. Januar 2010Alle,
die nicht nicht aus Philips "alter" Klasse kommen und die deswegen
nicht mit an dem Plakat gearbeitet haben, werden sich vielleicht
trotzdem daran erinnern, dass die Klasse für Philip ein Riesenplakat
gebastelt hatte und das ihm dies bei einem Besuch in Essen überreicht
wurde. Natürlich hängt dieses Plaket schon längst, aber ich hatte euch
noch nicht verraten, wo es hängt.
Es
hängt direkt über seinem Bett. Das Plakat ist schlichtweg so groß, dass
es an keine Wand in seinem Zimmer gepasst hätte und an der Decke über
seinem Bett kann er es auch am besten sehen, wenn er auf dem Rücken
liegt. Das Aufhängen an sich gestaltete sich nicht ganz einfach, weil
ja keine Nadeln und Heftzwecken über dem Bett verwendet werden dürfen.
Aber es hängt und das auch bombensicher, ohne dass Philip kleine
gemeine Pieksereien befürchten muss. Wie findet ihr das so? Ich meine
das Plakat und nicht die Pieksereien. Leider konnten wir Philip noch
nicht dazu befragen, welches Bild ihm auf dem Plakat am besten gefällt,
aber das muss er uns auch nicht verraten. Es zählt das Gesamtkunstwerk
und schließlich sind wir auch Kulturhauptstadt 2010. Kultur? Auch da
muss Philip durch und wenn es schon keine Kunst- oder Musiktherapie
gibt, dann sorgen die lieben Freunde und Verwandten für Kultur. Nein,
wir haben nicht gesungen und auch nicht gemalt, sondern uns (Oma Gila,
Ludwig, Mama, Philip und Thorsten) das "Zentrum für internationale
Lichtkunst" in Unna angesehen. Tja, ein apallisches Syndrom schützt
auch vor Ruhr.2010 nicht. Die Ausstellung ist durchaus einen Besuch
wert und kann auch mit dem Rollstuhl besichtigt werden. Ein paar kleine
Stufen haben wir mit Hilfe kräftiger junger Ausstellungsbesucher auch
gemeistert. Man muss halt nur fragen. Die Ausstellung befindet sich
mitten in Unna im Keller der ehgemaligen Lindenbrauerei (schlecht
ausgeschildert, Eingang neben der Lindenbrauerei). Während einer etwa
einstündigen Führung bekommt man viel erklärt und zu sehen und sogar
wir als "Kunstbanausen" waren recht angetan. Für Philip haben
wahrscheinlich die optischen Eindrücke überwiegt, denn es war
einerseits dunkel, andererseits hell, bunt, bewegt, grell, spektakulär.
Er hat sich das auch (größtenteils) interessiert angesehen und wir
hoffen, dass es für ihn ebenso ein schönes Erlebnis war wie für uns
auch. Kulturhaupstadt, wir kommen!
Ich habe mal wieder "aufgeräumt" und die alten
Beiträge findet Ihr hier.
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